Archive for the 'Live Poker' Category

Macau: Praxisbericht

Im letzten Artikel wurde ja bereits beschrieben wie Poker in Macau derzeit so abläuft. Jetzt folgt also der Bericht wie es konkret für uns so gelaufen ist:

Am ersten Abend wollten wir gleich mal loslegen zu spielen und versuchten erstmal unser Glück im Venetian. Wir liesen uns auf die Warteliste setzen, allerdings war absehbar, dass es extrem lange dauern würde. Wir versuchten unser Glück in den nächsten beiden Casinos und dort das gleiche Schauspiel, bis wir eher durch Zufall das StarWorld entdeckten, bei dem komischerweise keine Warteliste war und wir gleich anfangen konnten.

Wir spielten also die ersten beiden Stunden so vor uns hin und merkten auch gleich wie schlecht die Gegner sind. Es lief nicht sonderlich gut, aber wir konnten schon ein bisschen was gewinnen. Ich musste mich dann irgendwann mal erleichtern und schaute mich mal am Nachbartisch so um, nachdem ich erstmal genug damit zu tun hatte, mit den ungewohnten Begebenheiten an unserem Tisch zurecht zu kommen. Ich dachte mir dann so: „Mensch, der Typ da drüben sieht von hinten ja aus wie Antonius“. Ich blieb stehen und schaute mir den Kerl mal genauer an und sah zwei rießen Berge mit Plaketten vor ihm liegen und als er sich dann mal kurz zur Seite drehte war es klar: Es ist Antonius!

Das ganze musste ich gleich mal meinem Kumpel berichten der sich natürlich sofort selbst davon überzeugen wollte. Er kam wieder und meinte nur „Tatsächlich, und daneben sitzt Durrrr!“. Es war schon ziemlich unglaublich, 10m weg von den beiden zu spielen, ohne irgendeine Abschottung oder dergleichen. Scheinbar kannte in Asien auch nahezu niemand diese Spieler. Ich muss euch aber jetzt enttäuschen, auch wir haben leider nichts von einem angeblichen 10 Millionen US-Dollar Pot mitbekommen, ich hab davon selbst erst später auf 2+2 gelesen, genauso wie von der Tatsache, dass Juanda auch noch mit am Tisch saß. Wir wollten die beiden auch nicht belästigen mit einem Bild oder sowas, ich hoffte aber insgeheim, dass wir sie vielleicht irgendwann mal auf einer Party treffen zum labern, trinken, und so weiter. Aber dazu mehr in einem anderen Bericht.

Auch aufgrund dessen wurde das Starworld Casino also unser einziger Pokerroom in dem wir immer wieder spielten. Wir kamen jedoch nur auf geschätzte 20h Spielzeit, irgendwie machte mir das Spielen nicht so wahnsinnigen Spaß und die Partys, etc waren interessanter. Es machte sicherlich auch deshalb nicht viel Spass, da es für uns beide sehr bescheiden lief. Bei mir ging es zwar noch, aber vor allem mein Kumpel kassierte einen Bad Beat nach dem anderen. Der härteste Pot den er verlor war ein umgerechnet 1600 Euro Pot, als er AA hielt auf einem Ad-2h-8c-Tc-7c Board und der Gegner seine rießen Bets zweimal durchcallte, um sich am River mit Ac6c den Backdoorflush zu ziehen. Mein Kollege feuerte am Schluss natürlich nochmal dick for Value, weshalb er dann auch komplett committet war auf das Allin von Villain am River für lediglich 200 mehr.

Ich wiederum habe mich öfters einfach selbst gelevelt. Mir kam die Spielweise in Vegas viel eher entgegen, da dort die meisten Spieler noch ein ganz gutes Grundverständnis von Poker hatten, im Gegensatz zu Macau. Man sollte aber auch einfach nicht mit AJ high auf einem KTT27 Board drei mal for Value für insgesamt ca. 600 Euro durchbarreln, nur weil der Gegner in den Händen davor alles mit Händen wie A5 oder K2 high gecallt hatte. Diesesmal hielt er dummerweise JJ. Letztlich habe ich natürlich einfach zu ungeduldig gespielt, allerdings war ich auch sehr sehr Carddead die ganze Zeit und dann wird einem beim Livepoker recht schnell langweilig.

Insgesamt habe ich gut 800 Euro beim Poker gewonnen, mein Kollege war am Schluss sogar leicht im Minus. Aber was solls, wir waren ja nicht zum Geld verdienen dort sondern nur um Spass zu haben. Ein weiterer Bericht über die Partys sowie ein paar Bilder werden bald folgen!

Bis die Tage und denkt immer daran:

„I’ve always had confidence, but I never let my ego get to the point that I think I’m the superstar, because I know.“

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Macau: Pokergrundlagen

Da bin ich wieder zurück von meinem Urlaub in Macau. Es gibt so viel zu berichten, ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll, deshalb werde ich erstmal ganz allgemein auf Poker in Macau eingehen.

Im Vergleich zu Vegas gibt es hier schon einiges zu beachten und vieles ist einfach anders. Der Hauptunterschied ist schonmal, dass es hier nahezu nur Asiaten gibt. Scheinbar hat es sich also noch nicht herumgesprochen, dass es hier etwas zu holen gibt. Allerdings merkt man auch deutlich, dass die Pokerszene in Macau gerade erst am wachsen ist und es noch viel zu verbessern gibt.

In den meisten Casinos trifft man nämlich auf endlos lange Warteschlangen. Neue Tische werden nicht eröffnet, da es scheinbar an Dealern mangelt, womit wir schon beim nächsten Fail wären: Die Dealer sind absolut unfähig und extrem langsam. Dazu fehlt ihnen scheinbar oft jegliches Spielverständnis und sie müssen teilweise drei mal hinsehen bis sie wissen wer den Pot gewonnen hat.

Der Hauptgrund dafür, dass die Dealer so schlecht sind, ist neben ihren sehr langen Arbeitsschichten sicherlich die Tatsache, dass es hier kein Trinkgeld gibt. Auf der einen Seite zwar ein riesen Vorteil, aber ich wiederum bezahle dann lieber und hab einen guten Dealer der mir schneller die Hände austeilt.

Eine gute Entschädigung dafür waren jedoch die Spieler. Sie waren teilweise ja sowas von schlecht, wie man es sich gar nicht vorstellen konnte. Selbst die „Regs“ in den Casinos hatten Leaks, größer als das schwarze Loch. Dazu konnte es einem auch öfter passieren, dass sich jemand an den Tisch setzte, dem der Dealer erst mal die Regeln erklären musste.

Eine weitere schöne Sache war, dass die meisten Spieler mit mehr als 100bb am Tisch saßen, häufig sogar mit deutlich mehr. Wir spielten die ganze Zeit 10/25, was in etwa 1/2,5 Euro entspricht mit einem Maximum BuyIn von 4000. Dies nutzten die meisten der Leute auch und manche kauften sich sogar mit mehr ein, was die Dealer oder Floormen absolut nicht störte.

Apropos Floormen, bzw besser bezeichnet als Floorwomen:  Die jungen Damen, die sich immer nett um einen gekümmert haben sahen teilweise schon extrem heiß aus. Die Bedienungen im allgemeinen waren jedoch nicht so gut wie in Vegas. Wasser bekam man zwar in Sekundenschnelle von überall her, wollte man sich aber ein Bier bestellen so musste man ca. 4 Euro bezahlen für 0,33l. Alle sonstigen nicht alkoholischen Getränke waren zwar frei und eine große Essensauswahl gab es auch, aber auf die Bestellung musste man teilweise sehr lange warten.

Ein weiterer etwas nerviger Punkt war noch die Tatsache, dass aufgrund der vielen Asiaten fast nur kantonesisch am Tisch gesprochen wurde und die Dealer die angesagten Betsizes häufig nicht ins englische übersetzt hatten, was dazu führte, dass man entweder nachfragen musste oder es das ein oder andere Missverständnis gab. Diese waren allerdings nicht so tragisch, da die Dealer nicht sehr konsequent durchgegriffen haben und man seine Chips auch einfach wieder zurücknehmen konnte sofern man erklärt hat, dass man die Betsize nicht verstanden hat. Ebenfalls ein Riesenunterschied zu Vegas.

Alles in allem haben aber die schlechten Spieler und vor allem die hübschen Bedienungen alle Nachteile wett gemacht, weshalb man schon gut Pokern konnte. Dennoch gibt es noch viel zu verbessern und ich gehe stark davon aus, dass man hier auch noch viel verbessern wird in naher Zukunft.

Wie es in der Praxis dann für uns lief erfahrt ihr im nächsten Bericht, der in den kommenden Tagen folgen wird.

Bis die Tage und denkt immer daran:

„Poker is as elaborate a waste of human intelligence as you could find outside an advertising agency.“

Es geht los!

Morgen geht’s endlich ab nach Macau und ich bin schon sehr gespannt was mich dort alles erwarten wird. Hören tut man schließlich sehr viel.

Erstmal steht mir aber noch eine absolut beschissene Reise bis dorthin bevor. 4h nach Frankfurt fahren, 10,5h Stunden nach Shanghai fliegen und dann nochmal 2,5h bis nach Macau. Dazu natürlich noch die üblichen Wartezeiten an den Flughäfen…

Aber der Spass wird es sicher wert sein. Zudem freue ich mich auch wahnsinnig darauf Philipp endlich mal wieder zu treffen, der dort schon auf mich wartet. Mal sehen ob finanziell auch etwas dabei herausspringt aber so richtig geplant ist es eigentlich nicht und so wie ich mich kenne, würde der Großteil dann eh wieder bei diversen Partys und Shoppingtouren drauf gehen. Ähnlich wie letztes Jahr in Vegas.

Beim Onlinepoker hat der neue Monat übrigens sehr ordentlich begonnen. In einer Woche konnte ich wieder ca. 15 Stacks gewinnen, auch wenn es wiederum „nur“ auf 1/2 war. Zwei interessante Hände dieser Tage habe ich mal herausgesucht:

Ist also oftmals gar nicht so schwer zu gewinnen und so stelle ich mir auch das Niveau in Macau vor.

Ausführliche Berichte, ob es denn wirklich so ist werden natürlich folgen. In Macau selbst werde ich zwar wahrscheinlich keine Zeit und Lust zum bloggen haben, aber danach habe ich schließlich noch ein paar Wochen Ferien in denen ich genug Zeit zum tippen habe.

Bis die Tage und denkt immer daran:

„Your best chance to get a Royal Flush in a casino is in the bathroom.“

 

Gentlemen…

Luke

…es war mir eine Ehre mit Ihnen zu spielen. Ich möchte auch noch kurz ein abschließendes Statement zum Abbruch der Challenge loswerden.

Leider war es mir wochenlang nicht möglich meine Ansprüche beim Pokern mit meinen Ansprüchen im Studium zu vereinen. Deshalb konnte ich mein Niveau nicht halten und versuchte an den Tables mein Glück zu erzwingen, was natürlich dick im Minus endete. Die einzige vernünftige Konsequenz war eine Pause einzulegen, sich dem Studium hinzugeben und nebenbei Pokerliteratur aufzusaugen.

Das Ganze zog sich nun leider einige Wochen hin, in denen mich zusätzlich noch andere private Probleme vom Spielen abhielten.

Seit zwei Wochen bin ich wieder relativ regelmäßig an den Tischen unterwegs, jedoch hat sich – wie Schoschovic schon gepostet hat – einiges verändert, wodurch Poker spürbar schwieriger geworden ist.

Uns war seit Beginn der Challenge klar, dass ein Jahr ein ziemlich langer Zeitraum ist in dem eben viel passieren kann. Jedoch war die Zeit pokertechnisch wahnsinnig lehrreich. Vom Über-Start der Challenge bis zum Downswing war alles dabei. Ich spielte meine ersten Sessions auf NL100 und NL200, gewann über 1000$ am Tag und verlor über 1000$ am Tag. Was letztendlich bleibt ist eine Menge Spaß, eine Menge emotionaler Stress, ein iMac und die Gewissheit, zu diesem Punkt zukünftig wieder gelangen zu wollen, falls es die Zeit zulässt.

Das wars von mir, ab nun übernimmt Schoschovic wieder alleine. Over and Out.

Mein Vegas – Stratosphere Teil 2

Erstmal sorry, dass ich so lange wieder nichts von mir hören lassen habe. Ich bin mittlerweile wieder zu Hause aber im Dauerstress. Trotzdem werde ich natürlich noch einige Einträge von Vegas, inklusive ein paar Bildern nachholen.

Es ging also weiter im Stratosphere. Wir wollten immernoch das 5k Freeroll mitspielen und ein paar wenige Stunden fehlten uns noch dafür. Nachdem, vor allem ich, bisher wirklich zu dumm war dort etwas zu gewinnen wollte ich es diesesmal unbedingt schaffen. Und ich versuchte es mit einer sehr tighten Spielweise an den nittigen 1/2 er Tischen. Diese klappte, wie erwartet, viel besser und nachdem ich bei einem Flip auch noch das Glück auf meiner Seite hatte konnte ich nach ca. 4 Stunden tatsächlich mit fast 600 im Plus dort abschließen.

Endlich war es also soweit. Wir hatten die 25 Stunden, die wir benötigten  für das Freeroll voll und am nächsten Tag sollte es gleich starten. Es waren insgesamt nicht ganz 30 Teilnehmer und wir stellten erstmal fest, dass die Struktur komplett für den Arsch war. Die ersten 5 Plätze sollten etwas mehr als 400 bekommen und dann noch weitere 10 Plätze ein bißchen mehr als 200. Wir hätten unsere Zeit wirklich sinnvoller verbringen können, aber jetzt war es zu spät.

Das Turnier startete und ich gewann gleich ein paar Hände ohne Showdown und war recht schnell Chipleader an meinem Tisch. Meinem Kollegen erging es allerdings nicht so gut. Er stahl am anderen Tisch auch öfters die Blinds, bis der BB das adjusten anfing und ihn dann immer minraiste. Als er das nächste mal AQ hielt und wieder erhöhte, pushte er auf das folgende Minraise vom BB Allin und wurde von 9T (!) gecallt. Dummerweise verlor er und schied sogar als Erster aus.

Nachdem noch ein oder zwei Spieler draußen waren ging es auf einmal los und so ziemlich alle Spieler brüllten „Chop!“. „Chop“ heißt so viel wie aufteilen und somit sollte folglich der Preispool unter den verbleibenden Spielern aufgeteilt werden, allerdings nicht nach Stacksizes, sondern jeder sollte das Gleiche bekommen. Das passte mir natürlich gar nicht. Warum sollte schließlich ich, mit einem Stack von 6000 zufrieden sein wenn jemand mit einem Stack von 500 genau so viel gewinnt. Deshalb stimmte ich nicht zu und so zog ich sehr schnell (neben einem anderen Spieler) den Unmut aller Beteiligten auf mich. Es wird nämlich nur geteilt wenn ausnahmslos alle Spieler damit einverstanden sind.

Die Spieler hörten natürlich nicht auf zu nerven, und da die Blinds auch rapide stiegen und es mehr und mehr ein Glückcspiel wurde stimmte ich dennoch zu, obwohl ich immernoch der Chipleader war, mit mittlerweile knapp über 8000. Es stimmten jetzt also alle zu, dachte ich zumindest. Auf einmal hieß es, ein Spieler möchte trotzdem nicht teilen. Was war denn hier los? Es stellte sich heraus, dass es der Südländer neben mir war und er wollte aus folgendem Grund nicht teilen: Er wollte erst noch, dass ich rausfliege, bevor aufgeteilt wird. Der Grund dafür war auch recht einfach, denn wir hatten diesen Spieler beim Cashgame in den Tagen davor bis zur Weissglut gebracht. Trotzdem ist es schon eine selten dämliche Idee darauf zu hoffen, dass der Chipleader vor einem rausfliegt. Aber wie er meint, soll er sein Glück eben versuchen.

Es wurde also weiter gespielt. Die Blinds wurden erdrückend hoch und stahl ich sie mit ein paar All-Ins immer wieder. Es wurde schließlich nahezu alles gefoldet gegen mich, da keiner rausfliegen wollte. Im nächsten Orbit halte ich dann KJ, und pushe wieder einmal Allin mit ca. 8800. Ein Spieler hinter mir überlegt nun, geschätzte 5 Minuten, ob er mitgehen soll. Und tatsächlich: Er tat es! AQ zeigte er, und das war für mich sehr ärgerlich. Ausgerechnet dieser Spieler hatte neben mir den mit Abstand größten Stack mit ca. 6800. Das Board bringt mir keine Hilfe, und als die letzte Karte gezeigt wurde sprang der Südländer, den wir so geärgert hatten, neben mir auf und feierte als ob er die WSOP gewonnen hätte.

Aber noch war nicht Schluss und ich hatte noch 2000 Chips übrig als die Blinds auf 450 / 900 stiegen. Ich saß aber dummerweise gerade jetzt im Big Blind. Alle folden, der Südländer neben mir, der unbedingt wollte, dass ich rausfliege pushte Allin mit seinen 3,5k und mir bleibt nichts anderes übrig als mit Q4s mitzugehen. Er zeigt AK und wieder kommt keine Hilfe für mich. Das war jetzt natürlich das absolut Schlimmste was passieren konnte, genau gegen ihn auszuscheiden. Man hätte jetzt eine Fräse gebraucht um das Grinsen aus seinem Gesicht zu bekommen.

Letzter Orbit noch Chipleader, und jetzt bin ich tatsächlich draußen. Danach wurde natürlich sofort aufgeteilt, aber ehrlichgesagt musste ich schon selbst schmunzeln wie blöd das Ganze gelaufen ist und gönnte ihm seinen kleinen Erfolg anstatt mich in irgendeiner Weise darüber zu ärgern.

Bis die Tage und denkt immer daran:

„Nobody is always a winner, and anybody who says he is, is either a liar or doesn’t play poker.“

Mein Vegas – Die reichen Kinder aus England

Die nächste Pokersession stand an, diesesmal wollten wir 2/5 im Mirage spielen. Davor haben wir noch das Buffet dort getestet aber mussten einstimming feststellen, dass es sich (bis auf den Preis) absolut nicht mit dem im Bellagio messen kann. Vollgefressen ging es dann also an die Tische.

Normalerweise sind wir es ja gewohnt, dass wir (meistens mit Abstand) die jüngstem am Tisch sind. Diesesmal war es jedoch anders. Zwei junge Kerle saßen am Tisch und sie fielen beide schonmal optisch auf: Nicht nur weil sie nicht gerade schlank waren, sondern vor allem wegen ihrer Kleidung. Der eine war durchgängig, komplett in rosa / grau gekleidet von der 3/4 Hose bis zur Mütze. Der andere sollte ihn jedoch übertreffen. Denn er trug absolut übertriebenen Goldschmuck, überall wo man es sich nur vorstellen konnte. Dazu war jedes dieser Schmuckstücke mit Diamenten nur so zugepflastert: Sonnenbrille, Kette, Uhr, Armband und ein Ring mit einer Fläche von geschätzten 4 cm². Und jetzt kommt das Beste: Dazu trug er ein WSOP 2008 T-Shirt. Jetzt war ich ja wirklich gespannt wie die beiden so spielen. Es folgte jedenfalls gleich eine interessante Hand:

Ich halte 6c8c am Cutoff und erhöhe auf ca. 30$. Der Spieler mit dem WSOP T-Shirt callt mich aus dem SB. Der Flop kommt Ac 4h 7d, also nichts außer ein Gutshot und ein Backdoorflush für mich. Er checkt und ich ziehe natürlich meine Cbet durch. Der junge Engländer callt und checkt den Turn wieder zu mir. Es sollte eine Qs sein, eine schöne Karte für eine 2nd Barrel. Also feuerte ich wieder und der Englänger callte erneut. Der River war ein K und es wird wieder zu mir gecheckt. Perfekte Karte um noch einmal zu feuern! Schließlich glaube ich, dass er tatsächlich die WSOP mitgespielt hat und aus diesem Grund es schaffen sollte ein Ass mit schlechtem Kicker wegzulegen, den genau diese Hand hatte er ziemlich sicher. Ich setze also 180$ in den mittlerweile ca. 220$ großen Pot und der Typ überlegt und überlegt. Er überlegt wirklich sehr lange und stellt mir dann die Frage ob ich ihm denn meine Hand zeige wenn er weglegt.

Diese Frage taucht relativ häufig auf und grundsätzlich gilt hier: Will ich, dass er foldet, dann muss ich sagen: „Ja, ich zeige dir meine Hand.“ Will ich, dass er mitgeht, so verneine ich die Frage. Warum ist das so? Diese Spieler sind einfach glücklich und brauchen eine Bestätigung, dass sie einen guten Fold gemacht haben. Ich verspreche ihm also meine Hand zu zeigen. Er sagt, dass er hier nicht callen kann und foldet offen ein Ass. Ich drehe meinen Bluff um und ernte ein gleich ein paarmal die Worte „Nice Hand!“ von ihm, jedoch mit einem recht ironischen Unterton wie mir schien.

So war mein Abend ehrlichgesagt nicht geplant, ich wollte mir erst später ein verrücktes Image aufbauen, aber was solls. Dann stelle ich eben gleich auf tight um. Aus diesem Grund kann ich leider kaum noch von einer interessanten Hand berichten, aber wie sich herausstellte konnten beide Engländer keine gute Hand (mehr) ablegen. Sie hatten jedoch mit ihren teilweise wirklich dummen Calls immer wieder Glück und so dauerte es recht lange bis zu mindest der rosa Kerl nichts mehr am Tisch hatte. Leider war es keiner von uns der ihn ausgenommen hat, aber ich hätte fast die Chance dazu gehabt:

4 Limper, ich finde mich mit TT wieder und erhöhe aus dem BB auf 40$. Der rosa Engländer und noch ein alter Mann callen mich. Der Flop kommt traumhaft für mich: T96r. Ich sitze in der Mitte, der alte Mann checkt, ich cbette, der Engländer callt und der alte Mann raist unerwartet. Er war zwar tight, dennoch fürchte ich mich hier vor gar nichts. Sollte er wirklich 78 halten, die einzige Hand die mich schlägt, habe ich schließlich noch genügend Outs. Trotzdem gibt es eine Menge Karten die ich am Turn unter keinen Umständen sehen will, weshalb ich mich gleich zum Allin entschied und der rosa Kollege denkt nach ob er callen soll. Sehr sehr lange denkt auch er nach, aber leider wirft er dann seine Hand weg. Angeblich hatte er einen Openender. Jedoch kann ich mir nicht vorstellen, dass er QJ wirklich weggeworfen hätte. Höchstens vielleicht J8. Der alte Mann callt ohne zu zögern, er war sowieso schon ziemlich comittet durch sein Raise. Er erwähnt aber gleich, dass er Hilfe vom Board braucht. 98 hat er, und er sollte sogar noch Hilfe in Form von einer weiteren 9 bekommen. Dumm für ihn, dass mir diese zweite 9 viel mehr hilft als ihm und so gewinne ich einen sehr schönen Pot.

Weiteres erwähnenswertes gab es leider nicht und so verließ ich nach ca. 3 Stunden Poker das Mirage wieder. Mit meiner sehr zurückhaltenden Spielweise konnte ich immerhin ein Plus von ca. 540$ erwirtschaften.

Bis die Tage und denkt immer daran:

„Life is too long to play bad cards.“

Mein Vegas – Wir schreiben Geschichte im Stratosphere

Nochmals sorry, dass es so lange keine Updates gegeben hat. Ab jetzt habe ich aber erstmal genug Zeit um neue Einträge zu verfassen.

Wie bereits berichtet, kamen wir auf die (im Nachhinein betrachtet) wirklich sehr dumme Idee im Stratosphere 25 Stunden lang Poker zu spielen um an einem 5000$ Freeroll Turnier teilzunehmen. Poker im Stratosphere ist nämlich stinklangweilig. Hier sitzen nur lauter arme Nits herum die Angst um ihren kleinen Stack haben, den sie mit an den Tisch bringen. Es war wirklich Zeit diesem lahmen Laden mal etwas Leben einzuhauchen.

Wir spielten also insgesamt ca. 7 Stunden am Stück dort, allerdings lief es Anfangs gar nicht gut für mich. Ich bekam einfach absolut keine guten Hände und die Schlechten konnte man auch nicht spielen, da man viel zu oft einfach runtergecallt wurde. Schließlich hat jemand, der sich schon fast committet wenn er eine Cbet callt auch keine Angst vor 3 Barrels. Aus Langeweile spielte ich dann auch recht unkonzentriert und viel zu viele Hände und so war ich Zwischenzeitlich sogar knapp über 1000$ down. Und das auf 1/2! Schon eine Schande irgendwie. Nichtsdestotrotz spielte ich ein paar interessante Hände gegen meinen Kollegen bei dem es bis dahin deutlich besser lief. Ein Musterbeispiel sondersgleichen:

Ich bin im SB, mein Kollege im BB. Der Typ aus UTG setzt den Livestraddle, ein paar Leute callen ihn und ich sehe TT vor mir. Da mir sowieso langweilig war, wollte ich mal ganz trickreich sein und callte mit meinen Zehnern ebenfalls nur, da ich mir verdammt sicher war, dass Philipp jetzt mit any 2 richtig dick erhöhen wird. Und meine Gebete wurden erhört! Er erhöhte wirklich richtig schön, und alle stiegen aus bis auf mich. Ich wollte ihn jetzt jedoch nicht 3-Betten, sondern, da ich ebenfalls wusste wie aggressiv er Postflop ist ihn einfach 3 Straßen lang runtercallen. Wahrscheinlich sogar wenn 3 Overcards liegen würden. Der Flop kommt jedoch viel besser als erwartet mit 4-4-8 und ich check / calle seine Cbet. Der Turn ebenfalls eine geniale Karte mit einer 2 und ich checke ebenfalls. Er feuert erneut richtig hart, und da er sowieso nicht mehr viel behind hatte bin ich Allin. Sein schneller Call machte mich jedoch schon sehr stutzig und ich ahnte schon fast was mich in etwa erwartete. Er dreht tatsächlich 24o um und zeigt sein Fullhouse. Ich war danach ca. zwei Minuten lang ziemlich geschockt und irgendwie enttäuscht, dass mein schöner Plan so in die Hose ging. Aber egal, the Show must go on!

Eine Dealerin meinte jedenfalls schon vor dieser Hand zum Tisch am Anfang der Session, dass sie wirklich schon viel gesehen hat. Sie hat Freunde gesehen, die versucht haben zusammen zu spielen, oder andere die sich aus dem Weg gegangen sind und sich einfach gegenseitig nichts getan haben. Aber sie hat noch nie zwei Kumpels gesehen die sich so bekriegt haben wie wir es getan haben. Das Beste sollte sie jedoch verpassen:

Ich war also an meinem Tiefstand angekommen mit ca. 1050 in der Kreide aber wollte dennoch nicht aufhören, obwohl mein Kollege schon Mitleid mit mir hatte, was mir absolut gar nicht gepasst hat. Ich kaufte mich erneut mit dem Maximum von 300 ein. Es konnte doch wirklich nicht so schwer sein etwas Boden wieder gut zu machen. Und ich schaffte es tatsächlich. Ich spielte jetzt tighter, ohne Experimente und konnte drei schöne Bluffs durchziehen und sogar einen Midstack alle seine Chips abnehmen und sollte danach mit etwas über 700$ vor mir dastehen, als ich JJ am Button wiederfinde. Ein paar Limper vor mir, ich erhöhe und mein Kollege 3-bettet mich. Bei ihm lief es wie erwähnt recht gut, und sein Stack war ca. 850$ als es krachen sollte. Ich calle sein Raise in Position und sehe den Flop von Ah Jd 5c. Mein Kollege feuert eine Cbet und ich calle. Der Turn: 5d. Mein Kollege feuert erneut, ich (vorsicht, Expertplay!) Minraise ihn, worauf er Allin geht. Ich calle natürlich und er zeigt AdKd. Der River blankt und der riesen Pot von fast 1500$ wandert zu mir. So schnell kann es gehen. Ich war jetzt sogar knapp im Plus und mein Kollege dafür knapp im Minus. Der Dealer meinte jedenfalls, dass er noch nie einen annähernd so hohen Pot hier erlebt hat, und dass es wohl der Größte war, den das Stratosphere je gesehen hat.

Danach spielten wir noch etwas weiter, allerdings nicht mehr lange und es passierte auch nichts mehr. Ich verlor noch ein paar kleine Pots und so standen wir gegen Ende des Marathons beide leicht im Minus, mit ca. 150$. Als wir dann aufgestanden sind hat uns jedoch ein Amerikaner, der die ganze Zeit mit uns am Tisch saß noch einmal zu sich gewunken. Er wollte sich bei uns bedanken. Er meinte, dass es der absolute Hammer und einfach nur eine Ehre war mit uns zu spielen.

Ich war hingegen nur froh, dass wir jetzt fast alle Stunden zusammen hatten um das Freeroll zu spielen.

Bis die Tage, und denkt immer daran:

„Poker is generally reckoned to be America’s second most popular after-dark activity.  Sex is good, they say, but poker lasts longer.“


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