Worauf es beim Poker wirklich ankommt Teil 2: Tilten muss gelernt sein

Autor: Luke

Ich möchte, bevor es am Donnerstag regulär mit unserer Challenge weitergeht, an Schoschovics letztes Strategieposting anknüpfen.

Da ich gerade anfangs selbst meinen Tilt nicht unter Kontrolle hatte, versuche ich nun ein paar nützliche Tipps zu geben. Deshalb vorweg, jeder Pokerspieler muss diese unangenehme Erfahrung machen. Sprich, der Umgang damit ist mindestens genau so wichtig, wie die Pokergrundlagen selbst. Ich behaupte sogar, den Tilt zu kontrollieren ist das Fundament einer erfolgreichen Pokerkarriere.

Dabei muss man verstehen, dass das Gefühl des Tiltens nicht mehr als eine bloße (Trotz)Reaktion ist, oder einfacher ausgedrückt: Frust

Frustration ist eine Wunschversagung. Frustration entsteht … durch Nichterreichen eines gesteckten Zieles aus inneren (Selbstüberschätzung) oder äußeren Gründen (Versagung von Wünschen) durch andere oder sich selbst.

http://de.wikipedia.org/wiki/Frust

Eigentlich müsste jeder in der Lage sein, seinen Frust zu kontrollieren, da es sich um eine menschliche Grundkompetenz handelt, welche wir seit unserer Geburt an schulen (müssen), da niemand von Rückschlägen gefeit ist.
Wieso ist es also beim Pokern nicht so?

Hier kommt der Faktor Glück ins Spiel. Der eigene Tilt ist also die Summe des ‚Glückes‘ der Anderen, dem wir blöderweise auch noch virtuell gegenübersitzen. Dazu muss man verstehen, dass das eigene Pech intensiver wahrgenommen wird als das eigene Glück. Das ist deshalb so, da Pech direkt mit Missgunst, unterschwellig sogar mit Neid verbunden ist. Aber Glück ist eben nur Glück. Oder hat jemand Mitleid, sobald er einen Stack gewinnt (entgegen der statistischen Erwartung)? Im wahren Leben begegnen wir den Anwärter nicht, der uns den Arbeitsplatz weggeschnappt hat. Am Pokertisch besteht jedoch die Chance einer Revanche, aber mit völlig falschen Voraussetzungen (Wut, Ärger, Ungeduld usw.).

Deshalb muss der Tilt erlebt und gelernt werden!

Grundsätzlich gilt, dass das Erlernen ein Prozess des Erlebens und der Reflektion ist, denn nicht jeder tiltet gleich. Wichtig ist zu kontrollieren, wie der Prozess von statten geht. Der erste Schritt ist also den Graph der letzten Tiltsession zu kontrollieren und den Punkt des Auslösens zu finden. Danach gibt es zwei grundsätzliche Alternativen, entweder

Typus 1 – Maniac: Man spielt hirnlos riesen Pots, geht oft unangemessen broke, der Kopf ist dabei völlig ausgeschaltet und man lässt sich von seiner Ungeduld leiten. Graph macht große Sprünge, nach unten

Typus 2 – Passivität: Man ist eingeschüchtert, weil schon drei Stack weg sind, lässt sich herumschupsen und an rationale Entscheidungen ist kaum zu denken – non-showdown Graph geht massiv ins Minus

In beiden Fällen gilt, aufhören zu spielen! Leider kommt die Erkenntnis nicht sofort, deshalb ist eben die Erfahrung damit so wichtig.
Es gibt kein Allgemeinrezept, das Problem zu lösen. Ob Typus 1 oder Typus 2, beide Varianten sind stark von der „Pokerumwelt“ beeinflusst. Der Tilt ist kein spielerisches Problem (nur das Resultat), sondern ein Psychisches.

Keiner kann das Gefühl ganz ausschalten, aber man kann versuchen, alle Faktoren zu reduzieren, die Einfluss haben. Zum Beispiel:

  • Nur dann Spielen, wenn man Lust hat
  • Nur so lange Spielen, wie man sich konzentrieren kann
  • Nur dann spielen, wenn man auch genug Zeit hat
  • Außeneinflüsse wie Musik/Chatclients minimieren
  • Rituale einführen, z.B. nochmal Tief durchatmen bevor All-in Entscheidungen

usw.

Anonsten hat Schoschovic im ersten Teil des Strategieguides weitere wichtige Punkte erläutert.
Ich hoffe es ist mir gelungen, ein wenig den Mythos „Tilt“ zu entzaubern, denn nur mit rationaler Herangehensweise wird man es schaffen damit umzugehen!

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7 Responses to “Worauf es beim Poker wirklich ankommt Teil 2: Tilten muss gelernt sein”


  1. 1 Cytrobicit März 29, 2010 um 10:38 am

    Sehr nett und verständlich geschrieben, wie auch Teil 1.

    Weiter so.

  2. 4 leraner April 7, 2010 um 2:27 am

    Gute Idee mit dem Tief durchatmen…
    Manchmal drückt man etwas on tilt ja tatsächlich instant den call button nicht wahr? :-)

  3. 5 FatRabbit Juni 7, 2010 um 8:12 am

    „Grundsätzlich gilt, dass das Erlernen ein Prozess des Erlebens und der Reflektion ist, denn nicht jeder tiltet gleich. Wichtig ist zu kontrollieren, wie der Prozess von statten geht. Der erste Schritt ist also den Graph der letzten Tiltsession zu kontrollieren und den Punkt des Auslösens zu finden.“

    Der zweite wäre dann den Punkt des Tiltens, den man identifiziert hat, so oft wiederzuerleben bis man ihn konfrontiert hat, nicht mehr über diese eine Sache tiltet und darueber lachen kann, dass man in diesem Moment getiltet hat!

  4. 6 Stevo Oktober 5, 2010 um 12:34 pm

    Ihr habt so recht Jungs, aber manchmal ist es unglaublich schwer den Maniac zu unterdrücken und alles und jeden zu spielen. Aber im Laufe der Zeit wird man entspannter, vielleicht kann man ihn auch irgendwann verdrängen den Tilt ;)


  1. 1 Review: The Poker Mindset « Schoschovic – Poker Blog Trackback zu Juni 10, 2010 um 11:19 am

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