Archiv für Oktober 2009

Mein Vegas – Stratosphere Teil 2

Erstmal sorry, dass ich so lange wieder nichts von mir hören lassen habe. Ich bin mittlerweile wieder zu Hause aber im Dauerstress. Trotzdem werde ich natürlich noch einige Einträge von Vegas, inklusive ein paar Bildern nachholen.

Es ging also weiter im Stratosphere. Wir wollten immernoch das 5k Freeroll mitspielen und ein paar wenige Stunden fehlten uns noch dafür. Nachdem, vor allem ich, bisher wirklich zu dumm war dort etwas zu gewinnen wollte ich es diesesmal unbedingt schaffen. Und ich versuchte es mit einer sehr tighten Spielweise an den nittigen 1/2 er Tischen. Diese klappte, wie erwartet, viel besser und nachdem ich bei einem Flip auch noch das Glück auf meiner Seite hatte konnte ich nach ca. 4 Stunden tatsächlich mit fast 600 im Plus dort abschließen.

Endlich war es also soweit. Wir hatten die 25 Stunden, die wir benötigten  für das Freeroll voll und am nächsten Tag sollte es gleich starten. Es waren insgesamt nicht ganz 30 Teilnehmer und wir stellten erstmal fest, dass die Struktur komplett für den Arsch war. Die ersten 5 Plätze sollten etwas mehr als 400 bekommen und dann noch weitere 10 Plätze ein bißchen mehr als 200. Wir hätten unsere Zeit wirklich sinnvoller verbringen können, aber jetzt war es zu spät.

Das Turnier startete und ich gewann gleich ein paar Hände ohne Showdown und war recht schnell Chipleader an meinem Tisch. Meinem Kollegen erging es allerdings nicht so gut. Er stahl am anderen Tisch auch öfters die Blinds, bis der BB das adjusten anfing und ihn dann immer minraiste. Als er das nächste mal AQ hielt und wieder erhöhte, pushte er auf das folgende Minraise vom BB Allin und wurde von 9T (!) gecallt. Dummerweise verlor er und schied sogar als Erster aus.

Nachdem noch ein oder zwei Spieler draußen waren ging es auf einmal los und so ziemlich alle Spieler brüllten „Chop!“. „Chop“ heißt so viel wie aufteilen und somit sollte folglich der Preispool unter den verbleibenden Spielern aufgeteilt werden, allerdings nicht nach Stacksizes, sondern jeder sollte das Gleiche bekommen. Das passte mir natürlich gar nicht. Warum sollte schließlich ich, mit einem Stack von 6000 zufrieden sein wenn jemand mit einem Stack von 500 genau so viel gewinnt. Deshalb stimmte ich nicht zu und so zog ich sehr schnell (neben einem anderen Spieler) den Unmut aller Beteiligten auf mich. Es wird nämlich nur geteilt wenn ausnahmslos alle Spieler damit einverstanden sind.

Die Spieler hörten natürlich nicht auf zu nerven, und da die Blinds auch rapide stiegen und es mehr und mehr ein Glückcspiel wurde stimmte ich dennoch zu, obwohl ich immernoch der Chipleader war, mit mittlerweile knapp über 8000. Es stimmten jetzt also alle zu, dachte ich zumindest. Auf einmal hieß es, ein Spieler möchte trotzdem nicht teilen. Was war denn hier los? Es stellte sich heraus, dass es der Südländer neben mir war und er wollte aus folgendem Grund nicht teilen: Er wollte erst noch, dass ich rausfliege, bevor aufgeteilt wird. Der Grund dafür war auch recht einfach, denn wir hatten diesen Spieler beim Cashgame in den Tagen davor bis zur Weissglut gebracht. Trotzdem ist es schon eine selten dämliche Idee darauf zu hoffen, dass der Chipleader vor einem rausfliegt. Aber wie er meint, soll er sein Glück eben versuchen.

Es wurde also weiter gespielt. Die Blinds wurden erdrückend hoch und stahl ich sie mit ein paar All-Ins immer wieder. Es wurde schließlich nahezu alles gefoldet gegen mich, da keiner rausfliegen wollte. Im nächsten Orbit halte ich dann KJ, und pushe wieder einmal Allin mit ca. 8800. Ein Spieler hinter mir überlegt nun, geschätzte 5 Minuten, ob er mitgehen soll. Und tatsächlich: Er tat es! AQ zeigte er, und das war für mich sehr ärgerlich. Ausgerechnet dieser Spieler hatte neben mir den mit Abstand größten Stack mit ca. 6800. Das Board bringt mir keine Hilfe, und als die letzte Karte gezeigt wurde sprang der Südländer, den wir so geärgert hatten, neben mir auf und feierte als ob er die WSOP gewonnen hätte.

Aber noch war nicht Schluss und ich hatte noch 2000 Chips übrig als die Blinds auf 450 / 900 stiegen. Ich saß aber dummerweise gerade jetzt im Big Blind. Alle folden, der Südländer neben mir, der unbedingt wollte, dass ich rausfliege pushte Allin mit seinen 3,5k und mir bleibt nichts anderes übrig als mit Q4s mitzugehen. Er zeigt AK und wieder kommt keine Hilfe für mich. Das war jetzt natürlich das absolut Schlimmste was passieren konnte, genau gegen ihn auszuscheiden. Man hätte jetzt eine Fräse gebraucht um das Grinsen aus seinem Gesicht zu bekommen.

Letzter Orbit noch Chipleader, und jetzt bin ich tatsächlich draußen. Danach wurde natürlich sofort aufgeteilt, aber ehrlichgesagt musste ich schon selbst schmunzeln wie blöd das Ganze gelaufen ist und gönnte ihm seinen kleinen Erfolg anstatt mich in irgendeiner Weise darüber zu ärgern.

Bis die Tage und denkt immer daran:

„Nobody is always a winner, and anybody who says he is, is either a liar or doesn’t play poker.“

Mein Vegas – Die reichen Kinder aus England

Die nächste Pokersession stand an, diesesmal wollten wir 2/5 im Mirage spielen. Davor haben wir noch das Buffet dort getestet aber mussten einstimming feststellen, dass es sich (bis auf den Preis) absolut nicht mit dem im Bellagio messen kann. Vollgefressen ging es dann also an die Tische.

Normalerweise sind wir es ja gewohnt, dass wir (meistens mit Abstand) die jüngstem am Tisch sind. Diesesmal war es jedoch anders. Zwei junge Kerle saßen am Tisch und sie fielen beide schonmal optisch auf: Nicht nur weil sie nicht gerade schlank waren, sondern vor allem wegen ihrer Kleidung. Der eine war durchgängig, komplett in rosa / grau gekleidet von der 3/4 Hose bis zur Mütze. Der andere sollte ihn jedoch übertreffen. Denn er trug absolut übertriebenen Goldschmuck, überall wo man es sich nur vorstellen konnte. Dazu war jedes dieser Schmuckstücke mit Diamenten nur so zugepflastert: Sonnenbrille, Kette, Uhr, Armband und ein Ring mit einer Fläche von geschätzten 4 cm². Und jetzt kommt das Beste: Dazu trug er ein WSOP 2008 T-Shirt. Jetzt war ich ja wirklich gespannt wie die beiden so spielen. Es folgte jedenfalls gleich eine interessante Hand:

Ich halte 6c8c am Cutoff und erhöhe auf ca. 30$. Der Spieler mit dem WSOP T-Shirt callt mich aus dem SB. Der Flop kommt Ac 4h 7d, also nichts außer ein Gutshot und ein Backdoorflush für mich. Er checkt und ich ziehe natürlich meine Cbet durch. Der junge Engländer callt und checkt den Turn wieder zu mir. Es sollte eine Qs sein, eine schöne Karte für eine 2nd Barrel. Also feuerte ich wieder und der Englänger callte erneut. Der River war ein K und es wird wieder zu mir gecheckt. Perfekte Karte um noch einmal zu feuern! Schließlich glaube ich, dass er tatsächlich die WSOP mitgespielt hat und aus diesem Grund es schaffen sollte ein Ass mit schlechtem Kicker wegzulegen, den genau diese Hand hatte er ziemlich sicher. Ich setze also 180$ in den mittlerweile ca. 220$ großen Pot und der Typ überlegt und überlegt. Er überlegt wirklich sehr lange und stellt mir dann die Frage ob ich ihm denn meine Hand zeige wenn er weglegt.

Diese Frage taucht relativ häufig auf und grundsätzlich gilt hier: Will ich, dass er foldet, dann muss ich sagen: „Ja, ich zeige dir meine Hand.“ Will ich, dass er mitgeht, so verneine ich die Frage. Warum ist das so? Diese Spieler sind einfach glücklich und brauchen eine Bestätigung, dass sie einen guten Fold gemacht haben. Ich verspreche ihm also meine Hand zu zeigen. Er sagt, dass er hier nicht callen kann und foldet offen ein Ass. Ich drehe meinen Bluff um und ernte ein gleich ein paarmal die Worte „Nice Hand!“ von ihm, jedoch mit einem recht ironischen Unterton wie mir schien.

So war mein Abend ehrlichgesagt nicht geplant, ich wollte mir erst später ein verrücktes Image aufbauen, aber was solls. Dann stelle ich eben gleich auf tight um. Aus diesem Grund kann ich leider kaum noch von einer interessanten Hand berichten, aber wie sich herausstellte konnten beide Engländer keine gute Hand (mehr) ablegen. Sie hatten jedoch mit ihren teilweise wirklich dummen Calls immer wieder Glück und so dauerte es recht lange bis zu mindest der rosa Kerl nichts mehr am Tisch hatte. Leider war es keiner von uns der ihn ausgenommen hat, aber ich hätte fast die Chance dazu gehabt:

4 Limper, ich finde mich mit TT wieder und erhöhe aus dem BB auf 40$. Der rosa Engländer und noch ein alter Mann callen mich. Der Flop kommt traumhaft für mich: T96r. Ich sitze in der Mitte, der alte Mann checkt, ich cbette, der Engländer callt und der alte Mann raist unerwartet. Er war zwar tight, dennoch fürchte ich mich hier vor gar nichts. Sollte er wirklich 78 halten, die einzige Hand die mich schlägt, habe ich schließlich noch genügend Outs. Trotzdem gibt es eine Menge Karten die ich am Turn unter keinen Umständen sehen will, weshalb ich mich gleich zum Allin entschied und der rosa Kollege denkt nach ob er callen soll. Sehr sehr lange denkt auch er nach, aber leider wirft er dann seine Hand weg. Angeblich hatte er einen Openender. Jedoch kann ich mir nicht vorstellen, dass er QJ wirklich weggeworfen hätte. Höchstens vielleicht J8. Der alte Mann callt ohne zu zögern, er war sowieso schon ziemlich comittet durch sein Raise. Er erwähnt aber gleich, dass er Hilfe vom Board braucht. 98 hat er, und er sollte sogar noch Hilfe in Form von einer weiteren 9 bekommen. Dumm für ihn, dass mir diese zweite 9 viel mehr hilft als ihm und so gewinne ich einen sehr schönen Pot.

Weiteres erwähnenswertes gab es leider nicht und so verließ ich nach ca. 3 Stunden Poker das Mirage wieder. Mit meiner sehr zurückhaltenden Spielweise konnte ich immerhin ein Plus von ca. 540$ erwirtschaften.

Bis die Tage und denkt immer daran:

„Life is too long to play bad cards.“

Mein Vegas – Wir schreiben Geschichte im Stratosphere

Nochmals sorry, dass es so lange keine Updates gegeben hat. Ab jetzt habe ich aber erstmal genug Zeit um neue Einträge zu verfassen.

Wie bereits berichtet, kamen wir auf die (im Nachhinein betrachtet) wirklich sehr dumme Idee im Stratosphere 25 Stunden lang Poker zu spielen um an einem 5000$ Freeroll Turnier teilzunehmen. Poker im Stratosphere ist nämlich stinklangweilig. Hier sitzen nur lauter arme Nits herum die Angst um ihren kleinen Stack haben, den sie mit an den Tisch bringen. Es war wirklich Zeit diesem lahmen Laden mal etwas Leben einzuhauchen.

Wir spielten also insgesamt ca. 7 Stunden am Stück dort, allerdings lief es Anfangs gar nicht gut für mich. Ich bekam einfach absolut keine guten Hände und die Schlechten konnte man auch nicht spielen, da man viel zu oft einfach runtergecallt wurde. Schließlich hat jemand, der sich schon fast committet wenn er eine Cbet callt auch keine Angst vor 3 Barrels. Aus Langeweile spielte ich dann auch recht unkonzentriert und viel zu viele Hände und so war ich Zwischenzeitlich sogar knapp über 1000$ down. Und das auf 1/2! Schon eine Schande irgendwie. Nichtsdestotrotz spielte ich ein paar interessante Hände gegen meinen Kollegen bei dem es bis dahin deutlich besser lief. Ein Musterbeispiel sondersgleichen:

Ich bin im SB, mein Kollege im BB. Der Typ aus UTG setzt den Livestraddle, ein paar Leute callen ihn und ich sehe TT vor mir. Da mir sowieso langweilig war, wollte ich mal ganz trickreich sein und callte mit meinen Zehnern ebenfalls nur, da ich mir verdammt sicher war, dass Philipp jetzt mit any 2 richtig dick erhöhen wird. Und meine Gebete wurden erhört! Er erhöhte wirklich richtig schön, und alle stiegen aus bis auf mich. Ich wollte ihn jetzt jedoch nicht 3-Betten, sondern, da ich ebenfalls wusste wie aggressiv er Postflop ist ihn einfach 3 Straßen lang runtercallen. Wahrscheinlich sogar wenn 3 Overcards liegen würden. Der Flop kommt jedoch viel besser als erwartet mit 4-4-8 und ich check / calle seine Cbet. Der Turn ebenfalls eine geniale Karte mit einer 2 und ich checke ebenfalls. Er feuert erneut richtig hart, und da er sowieso nicht mehr viel behind hatte bin ich Allin. Sein schneller Call machte mich jedoch schon sehr stutzig und ich ahnte schon fast was mich in etwa erwartete. Er dreht tatsächlich 24o um und zeigt sein Fullhouse. Ich war danach ca. zwei Minuten lang ziemlich geschockt und irgendwie enttäuscht, dass mein schöner Plan so in die Hose ging. Aber egal, the Show must go on!

Eine Dealerin meinte jedenfalls schon vor dieser Hand zum Tisch am Anfang der Session, dass sie wirklich schon viel gesehen hat. Sie hat Freunde gesehen, die versucht haben zusammen zu spielen, oder andere die sich aus dem Weg gegangen sind und sich einfach gegenseitig nichts getan haben. Aber sie hat noch nie zwei Kumpels gesehen die sich so bekriegt haben wie wir es getan haben. Das Beste sollte sie jedoch verpassen:

Ich war also an meinem Tiefstand angekommen mit ca. 1050 in der Kreide aber wollte dennoch nicht aufhören, obwohl mein Kollege schon Mitleid mit mir hatte, was mir absolut gar nicht gepasst hat. Ich kaufte mich erneut mit dem Maximum von 300 ein. Es konnte doch wirklich nicht so schwer sein etwas Boden wieder gut zu machen. Und ich schaffte es tatsächlich. Ich spielte jetzt tighter, ohne Experimente und konnte drei schöne Bluffs durchziehen und sogar einen Midstack alle seine Chips abnehmen und sollte danach mit etwas über 700$ vor mir dastehen, als ich JJ am Button wiederfinde. Ein paar Limper vor mir, ich erhöhe und mein Kollege 3-bettet mich. Bei ihm lief es wie erwähnt recht gut, und sein Stack war ca. 850$ als es krachen sollte. Ich calle sein Raise in Position und sehe den Flop von Ah Jd 5c. Mein Kollege feuert eine Cbet und ich calle. Der Turn: 5d. Mein Kollege feuert erneut, ich (vorsicht, Expertplay!) Minraise ihn, worauf er Allin geht. Ich calle natürlich und er zeigt AdKd. Der River blankt und der riesen Pot von fast 1500$ wandert zu mir. So schnell kann es gehen. Ich war jetzt sogar knapp im Plus und mein Kollege dafür knapp im Minus. Der Dealer meinte jedenfalls, dass er noch nie einen annähernd so hohen Pot hier erlebt hat, und dass es wohl der Größte war, den das Stratosphere je gesehen hat.

Danach spielten wir noch etwas weiter, allerdings nicht mehr lange und es passierte auch nichts mehr. Ich verlor noch ein paar kleine Pots und so standen wir gegen Ende des Marathons beide leicht im Minus, mit ca. 150$. Als wir dann aufgestanden sind hat uns jedoch ein Amerikaner, der die ganze Zeit mit uns am Tisch saß noch einmal zu sich gewunken. Er wollte sich bei uns bedanken. Er meinte, dass es der absolute Hammer und einfach nur eine Ehre war mit uns zu spielen.

Ich war hingegen nur froh, dass wir jetzt fast alle Stunden zusammen hatten um das Freeroll zu spielen.

Bis die Tage, und denkt immer daran:

„Poker is generally reckoned to be America’s second most popular after-dark activity.  Sex is good, they say, but poker lasts longer.“


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