Mein Vegas – Der japanische Angsthase

Langsam aber sicher gewöhnt man sich hier an alles. Anfangs war vor allem „die Wand“, bestehend aus extrem heißer und trockener Luft, gegen die man jedesmal läuft wenn man sich nach draußen wagt sehr gewöhnungsbedürftig. Ebenso wie die Tatsache, dass es in den Casinos teilweise richtig kalt ist aufgrund der zu hoch eingestellten Klimaanlagen. Aber wir sind ja nicht aus Pappe und haben sonst eigentlich keine weiteren Sorgen!

Tag 2 u. 3 verbrachten wir Nachmittags jedenfalls in Outletcentern. Es war schon wirklich unglaublich, was man hier alles kaufen konnte und zu welchen Preisen. Ich habe zwar Klamotten ohne Ende aber man kann einfach nicht widerstehen wenn man dann hier ist und MUSS einfach kaufen. Nächstes mal fliege ich am besten mit einem leeren Koffer hierher und kaufe alles erdenkliche ein für ein paar Dollar. Zum Beispiel beliebige Adidas und Puma Schuhe für 30$, drei Billabong T-Shirts für 30$, Poloshirts von Hilfiger, etc für 25$, und so weiter. Es gibt hier absolut jede erdenkliche Marke und man wird irgendwie zur Frau. Ich habe mich zwar noch einigermaßen zurück gehalten, aber meine beiden Kollegen mit denen ich unterwegs war haben richtig dick zugeschlagen. Man könnte sogar ohne Koffer anreisen, denn selbst die gibt es z.B. von Samsonite für verhältnismäßig sehr wenig Ecken.

Abends ging es dann natürlich wieder zocken. Nach einem mäßigen Buffet im Sahara setzten wir uns dort an die Tische, bzw. hatten wir das vor, aber da gerade ein Turnier angefangen hatte sah es schlecht aus mit Cashgame. Deshalb haben wir uns dazu entschieden mit etwas Verspätung noch ins Turnier einzusteigen. Es war ein 45$ Turnier mit einem Rebuy. Ganz schlechte Idee! Eine Struktur die für den Arsch war und ich habe mich schon ein bisschen geärgert, dass ich das Geld nicht lieber auf irgend eine Zahl beim Roulette gesetzt habe. Denn dort hätte man bedeutend weniger Glück brauchen müssen um zu gewinnen. Aber was solls, nachdem ich draußen war, fand ich dann sehr schnell einen Cashgametisch.

Ich spielte diesesmal sogar nur 1/2 und es lief die ersten drei Stunden absolut bescheiden. Normal macht es mir ja nichts aus, wenn ich Carddead bin, da ich es recht gut drauf habe wenigstens so zu tun wie wenn ich ab und zu eine starke Hand habe, aber hier ging wirklich Null. Beziehungsweise mussten die Gegner wohl wirklich getroffen haben ohne Ende denn ich bekam nahezu jedesmal gewaltige Gegenwehr. Aber was solls, ich bin erfahren genug um damit umzugehen und vor allem auf 1/2 war es mir relativ egal, denn insgesamt war ich selbst zu meinem Tiefstand nicht mal 300$ down. Es folgte dann eine Stunde der Entschädigung in der mir alles gelungen ist! Viele kleine und mittlere Pötte wanderten zu mir und ich war nach kurzer Zeit 300 Dollar up. Allerdings auch etwas glücklich, denn ich habe einen Shortstack mit nicht ganz 100$ gewaltig ausgesuckt. Ich hielt AhQd und er ging mit seinen verbleibenden Dollarn All-In gegen mich auf einem Qh-Th-9d nach meiner Cbet. Ein Fold kam aufgrund seines Stacks natürlicht nicht mehr in Frage aber ich konnte mir noch den Backdoorflush zusammenbasteln im Showdown und er war sehr angepisst und konnte es gar nicht glauben noch zu verlieren mit seinem KJ und der gefloppten Straße. Danach aber die gleiche Leier wie zu Beginn und ich beendete den Tag alles in allem mit sagenhaften 5 Dollarn im Plus und einer Erkenntnis: Nie wieder Poker im Saraha! Sie haben hier nichtmal Mischmaschinen, weshalb man um einiges weniger Hände in der Stunde spielen kann als sonst irgendwo. Dazu wirkte alles eher alt und folglich machte es hier nicht so richtig Spass.

Der nächste Abend sah da schon ganz anders aus: Poker im Venetian! Ein wirklich geniales Casino mit einem überragenden und sehr großen Pokerraum in dem alles sehr gut organisiert war. An diesem Tag sollte es dann endlich mal ein „richtiges“ Limit sein mit 2/5. Ich wurde also an einen Tisch gesetzt und kaufte mich, wie üblich mit 100BB’s (also 500$) ein. Ich schaute mich natürlich erst mal um was die anderen so vor sich liegen haben, aber was zur Hölle war das?! Nahezu der komplette Tisch hatte 1000$ und teilweise sogar noch mehr vor sich liegen! Wenn man dann noch die viel größeren Erhöhungen mit berücksichtigt, die live einfach notwendig sind handelte es sich hier praktisch gesehen also um mindestens NL1k. Gut, dass ich auch mit diesen Summen schon etwas Erfahrung habe und auch wenn mich der Verlust eines Stacks schon sehr gestört hätten war es trotzdem kein „scared Money“ für mich. Zudem ist es auch absolut nicht meine Spielweise in irgendeiner Form ängstlich zu sein. Es war eigentlich das komplette Gegenteil der Fall:

In den ersten 30 Händen fegte ich wie ein Tornado über den Tisch und nach ungefähr 45 Minuten gab es einen neuen Chipleader mit über 1,6k vor sich. Nicht nur der komplette Tisch konnte seinen Augen kaum trauen, auch ich war schon recht überrascht wie gut es laufen kann. Ich gewann erstmal jede Hand die ich gespielt habe. Jedesmal ohne Showdown, bis auf einmal als ich mit AJ einen Shortie ca. 250$ auf einem KxxJx Board abgenommen habe. Nach kurzer Zeit saß ich mit etwas mehr als 900 am Tisch, als es zu folgender Hand kam: Ich bekomme Th7h am Button, vor mir wird aus UTG+1 erhöht und einmal gecallt. Ich calle ebenso und beide Blinds hinter mir sehen sich, wie so oft, den Flop auch mit an: 2h 6h 7c

Meine Situation war jetzt die folgende: Ich hab eine sehr starke Hand, die entweder als beste Hand in den Showdown geht gegen sämtliche Draws oder gegen eine Hand die mich derzeit schlägt noch mit hoher Wahrscheinlichkeit die beste Hand macht. Ebenso wusste ich natürlich auch, dass mir nicht mehr viel Kredit gegeben wird wenn ich jetzt erhöhe, da es für die Spieler natürlich unmöglich sein konnte, dass ich schon wieder etwas hatte. Und es lief absolut perfekt: Alle checken zu mir, und ich mache eine sehr sehr hohe Bet von 100$ in den Pot von ~110 um so zu wirken als ob ich nur stehlen wollte. Es folgte dreimal Fold, aber ein Gegner raiste mich, wie ich es erwartete, auf 280$. Ich musste nicht lange überlegen bis ich All-in bin, denn ein Set habe ich nahezu ausgeschlossen bei ihm. Dieses würde er niemals so hoch raisen sondern definitiv langsamer spielen. Er überlegte aber ebensowenig mit seinem Call und der Dealer deckte die fehlenden Karten schneller auf als ich schauen konnte: Ah, Qc. Ich war dran mit zeigen, und drehte meinen Flush um und mein Gegner sichtlich enttäusch und sehr verärgert schmiss seine Karten verdeckt in den Muck. Er wollte mir nicht verraten was es war, aber ich hörte ihn dann etwas von einem Open-ended-Straightdraw zu seinem Nachbarn flüstern, was ich mir wirklich sehr gut bei ihm vorstellen konnte. Genau dagegen wollte ich Allin kommen und genau dagegen hatte ich die mit Abstand besten Chancen zu gewinnen. Ich bin mir auch wirklich recht sicher gewesen, dass selbst die 7 mit meinem T Kicker zum Sieg gereicht hätte.

Ab dann lief allerdings nichts mehr bei mir zusammen und es folge später eine Hand die mich sehr ärgerte: Ich verlor einen Stack mit 5h8h auf einem 2h3hTc4h Board gegen einen Japaner. Er checkraiste meine Bet von 80 am Turn auf 180 und ich hätte es wirklich besser wissen müssen, dass er das niemals mit einer schlechteren Hand als dem Flush macht. Er war neu am Tisch und mein Gedankengang war folgender: Wenn ich jetzt pushe ist er möglicherweise so ängstlich einen Flush, der nicht sehr hoch ist, zu folden. Auf der anderen Seite dachte ich mir kann er schlecht genug sein um meinem Push zu callen mit einer Hand wie AhAc oder KhKc. Ich pushte also Allin und der Japaner überlegte ungelogen mindestens 5 Minuten ob er callen soll. Ich fühlte mich schon als der sichere Sieger als er dann trotzdem „Call“ sagte und im Showdown erstmal noch eine Minute lang das Board angesehen hat nachdem ich meinen Flush gezeigt habe. Dann drehte er KhQh um und war sich glaub ich immer noch nicht sicher ob er wirklich gewonnen hat. Hätte ich mich nicht so darüber geärgert, dass ich diese Hand so schlecht gespielt habe und 500 verloren habe wäre ich wahrscheinlich vor lachen zusammengebrochen. Aber was solls, die Hand zeigte nur abermals wie ängstlich die meisten Spieler sind auch wenn man ihn normal wegen einem Slowroll hätte verwarnen müssen.

Alles in allem ging ich dann mit Knapp über 500 Reingewinn trotzdem recht zufrieden nach Hause und auch in der Gewissheit, dass es bei meinem Spiel immer noch etwas zu verbessern gibt.

Bis die Tage und denkt immer daran:

„In poker, money is power.“

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